Was bringen Nahrungsergänzungsmittel wirklich?

Wäre es nicht toll, wenn uns täglich ein, zwei Pillen, Kapseln oder Brausen gesund halten würden? Nahrungsergänzungsmittel sind im Trend und gleichzeitig umstritten.

Was aber hat es mit den vermeintlich kleinen Helfern wirklich auf sich? Und inwieweit ergeben Sie zur Bereicherung der Ernährung wirklich Sinn? Wir verraten es Ihnen in diesem Beitrag!

Kampf dem Nährstoffmangel!

Es ist schon wahr, dass unser Körper regelmässig Vitamine und Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium benötigt, um richtig zu funktionieren. Ein Nährstoffmangel führt schnell zu Müdigkeit, Muskelzuckungen und Krämpfen. Auch Herzrhythmusstörungen und Magen-Darm-Erkrankungen sind keine Seltenheit, wenn es unserem Körper an den wichtigen Nährstoffen fehlt.

Aber: Normalerweise kommt es in einem kulinarisch reichen Land wie der Schweiz nicht so schnell zu einem Mangel. Selbst wer nicht jeden Tag Gemüse und Obst isst, nimmt meistens genügend Vitamine, Mineralien und Spurenelemente über die Nahrung zu sich, um nicht in einen handfesten Mangel zu geraten.

Nahrungsergänzungsmittel ersetzen eine gesunde Ernährung nicht

Erst eine besonders einseitige und nährstoffarme Ernährung führt über einen längeren Zeitraum zu Mangelerscheinungen. Diese können sich durchaus negativ auf die Gesundheit auswirken. Wer also von Nutellabroten und Tiefkühlpizzen lebt, gerät definitiv auf den schiefen Pfad, wenn es um die Versorgung des eigenen Körpers geht.

Und wenn es erst einmal soweit ist, helfen Pillen, Kapseln und Brausen auch nicht mehr weiter. Solche Mängel lassen sich nicht durch Nahrungsergänzungsmittel vorbeugen. Sie ersetzen Gemüse und Obst niemals. Ein Grund ist folgender: Bei einer gesunden Ernährung geht es nicht um einzelne Mineralstoffe oder Vitamine. Einige Gemüsesorten beinhalten mehr als 400 Inhaltsstoffe. Vitamine alleine machen hier nur einen geringen Teil aus. Auch Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Spurenelemente und Mineralstoffe sind für unseren Körper von hoher Bedeutung. Zum einen müssen viele davon erst einmal kombiniert werden, zum anderen lassen sich einige davon nicht in einem Nahrungsergänzungsmittel «verpacken».

Nahrungsergänzungsmittel sind also – wie es der Name schon verrät – höchstens eine Ergänzung zu einer gesunden Ernährung. Ein bestehender Mangel wird nur selten alleine durch die kleinen Helfer behoben.

Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnlos?

Ganz sinnlos sind Nahrungsergänzungsmittel aber auch nicht. Sie enthalten immerhin einen Bruchteil der für unseren Körper wichtigen Substanzen. Aber: Dort müssen Sie erst einmal ankommen, um ihre Wirkung zu entfalten.

Inwieweit die Substanzen in unserem Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Auf der einen Seite ist es natürlich erst einmal interessant, um welches Präparat es sich handelt. Aber auch das Alter der einnehmenden Person ist wichtig. Und: Auch das Essverhalten vor und nach der Einnahme spielt eine wichtige Rolle. Fettreiche Speisen zum Beispiel können die Aufnahme von Magnesium behindern während fettlösliche Inhaltsstoffe die Aufnahme von Vitaminen fördern.

Lässt man sich von einer unabhängigen(!) Quelle gut beraten, kann der Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel also durchaus förderlich sein. Irgendetwas zu schlucken, weil es gerade im Trend ist, kann in den meisten Fällen als Geldverschwendung gesehen werden.

Können Nahrungsergänzungsmittel schädlich sein?

Nahrungsergänzungsmittel können in einigen Fällen nicht nur sinnlos, sondern auch schädlich sein. Bei fettlöslichen Vitaminen (A und D) kommt es zum Beispiel schnell zur Überdosierung. Deshalb muss an dieser Stelle gut auf den Abstand zwischen den Einnahmen und die Einnahmemenge geachtet werden. Vitamin D führt bei Kleinkindern oft zu Nierensteinen, wenn zu hoch dosiert wird. Zu viel Vitamin A ist bei Schwangeren oft ein Problem und schädlich für den Fötus. Sorglos sollte man also nicht mit Nahrungsergänzungen umgehen. Lieber einmal mehr mit Arzt und Apotheker abgleichen als einmal zu wenig.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert?

Ärzte und Ernährungsberater empfehlen Nahrungsmittelergänzungsmittel eigentlich nur in besonderen Situationen. Oftmals wird zum Beispiel empfohlen, dass Neugeborene in den ersten zehn Tagen Vitamin K einnehmen, um Blutungen vorzubeugen. Für Säuglinge werden oft B-Vitamine und Fluorid angeraten und auch Schwangeren wird gerne Folsäure ans Herz gelegt. Auch einige Veganer reichern ihre Nahrung mit B12 und Eisen an, da sie befürchten, ansonsten womöglich zu wenig davon aufzunehmen.

Fazit: Die Schweiz ist kein Vitaminmangelland

Nahrungsergänzungsmittel können manchmal sinnvoll sein. Dennoch sind natürliche Vitaminquellen das A und O in Sachen Ernährung.

«Gemüse, Gemüse, Gemüse» lautet die Devise. 

Und das gerne mehrmals täglich. So decken Sie Ihren Bedarf ganz ohne Nahrungsmittelergänzung. Wir raten Ihnen auf diese nur in besonderen Situationen zurückzugreifen und ansonsten Ihren Fokus auf eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung zu richten.

Die Schweiz bietet unglaublich viele gesunde, natürliche Nahrungsmittel und ist damit bei weitem kein Vitaminmangelland.

Pia Maria Schulze, M.Sc. Gesundheitswissenschaftlerin

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