{"id":17106,"date":"2023-10-17T14:09:35","date_gmt":"2023-10-17T13:09:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aletheia-scimed.ch\/?p=17106"},"modified":"2023-10-18T11:21:59","modified_gmt":"2023-10-18T10:21:59","slug":"was-ist-aletheia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aletheia-scimed.ch\/de\/was-ist-aletheia\/","title":{"rendered":"Was ist &#8220;Aletheia&#8221;?"},"content":{"rendered":"<h2>Philosophische Betrachtung von Dr. Bj\u00f6rn Riggenbach<\/h2>\n<p><strong>Innerhalb von drei Jahren ist die Aletheia-Familie schnell gewachsen und gross geworden. Viele Menschen f\u00fchlen sich dazugeh\u00f6rig &#8211; und immer wieder taucht die Frage auf: Wer geh\u00f6rt dazu, wer nicht. Und: wer bestimmt das \u00fcberhaupt.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist niemand &#8211; in meinen Augen. Ich bin es nicht. Niemand, nicht im Sinne <a href=\"https:\/\/www.aletheia-scimed.ch\/de\/die-reise-des-odysseus-zu-den-zyklopen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">des Odysseus beim Zyklopen<\/a> (Beitrag von Dr. Kyriaki Stefanidou), sondern: wer ist es dann?<\/p>\n<p>Wenn jemand das beurteilen m\u00fcsste, ist die weitere Frage: ist das Wesen Aletheia ein urteilendes?<\/p>\n<p>Ein Urteil bestimmt immer einen Sachverhalt in Bezug auf das Sein, f\u00fcr die Gegenwart, in der wir leben. Wenn ein Urteil extrem und verk\u00fcrzt ausgesprochen ist, lautet es &#8220;Ja&#8221; oder &#8220;Nein&#8221; in Verbindung mit dem Verb &#8220;es ist&#8221;. Dadurch wird ein Urteil gef\u00e4llt. Im Gegensatz dazu steht die Beschreibung, z.B. aus der Welt der Sinne: &#8220;ich sehe einen fliegenden Vogel&#8221;. W\u00fcrde ich von der Beschreibung zur Beurteilung schreiten, dann hiesse das: &#8220;Es ist ein fliegender Vogel. Aufgrund dieses Hinweises kann ich also ein Urteil bewusst zur\u00fcckhalten &#8211; bewusst nicht urteilen &#8211; indem ich von meiner Wahrnehmung spreche und im Deskriptiven bleibe. Dann urteile ich nicht.<\/p>\n<p>Bei Aletheia scheinen mir zwei Paare von &#8220;Gegens\u00e4tzen&#8221; augenscheinlich: Gegenwart und Vergangenheit einerseits, Erinnerung und Urteil andrerseits. Ich erkl\u00e4re mich:<\/p>\n<p>Insofern sie sich umfassend erinnert &#8211; sogar an jenes, was vor der Geburt, was nach dem Tode war &#8211; ist sie auf die Vergangenheit ausgerichtet, nicht auf die Gegenwart. Und nur ausserhalb von Raum und Zeit, d.h. im \u201eJenseits\u201c, befindet sie sich im Sein, im \u201eJetzt\u201c. Aber das \u201eJetzt\u201c wird hinf\u00e4llig, wenn alles sich \u201cgleichzeitig\u201c und &#8220;am gleichen Ort&#8221; jenseits von Raum und Zeit befindet. Dort herrschen nicht Zeiten, nicht R\u00e4ume, sondern Ewigkeit und Unendlichkeit.<\/p>\n<p>Weil dort alles, alle Menschen, alle Taten, alle Gef\u00fchle, die ganze Welt &#8211; an die sich Aletheia erinnert &#8211; gemeinsam sind im Sein, gibt es dort keine Abgrenzungen, kein Urteil. Die Welt der Aletheia ist nicht jenes der Urteile, sondern der Erinnerung. Sie wird nicht beurteilen, wer zugeh\u00f6rig ist und wer nicht &#8211; und es ist mir die tiefe Frage, ob nicht jeder Einzelne das selber bestimmt, indem er sich ihr verbindet. Und ich wage zu glauben, dass, solange ich urteile, ich mich eher von ihr entferne als mich ihr zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Jenseits von Raum und Zeit wirken n\u00e4mlich nicht Urteile, sondern Folgen. Mein Denken, F\u00fchlen und Handeln haben Wirkungen in der Welt, und diese sind gefolgt von Konsequenzen &#8211; von beabsichtigten oder unbeabsichtigten. Ich bin schliesslich selber daf\u00fcr verantwortlich, ganz ohne mich irgendwie beurteilen lassen zu m\u00fcssen. Die Folgen kommen von alleine auf mich zu. (Es k\u00f6nnte damit der Begriff des Schicksals verbunden werden).<\/p>\n<p>Eine spezielle Situation ist jene, in der ich Mitmenschen nicht verstehe oder mich von ihnen nicht verstanden f\u00fchle, besonders dann, wenn das in mir Emotionen sch\u00fcrt. Der eingangs erw\u00e4hnte Beitrag von Kyriaki Stefanidou spricht erhellend davon. Und in Begleitung von Aletheia (nicht nur in jener von Athene, wie Odysseus sie erlebt) kann ich mich auf den Weg begeben. Ich muss mich erinnern, dass der Mitmensch seine Gr\u00fcnde hat, so zu sein, so zu handeln, zu f\u00fchlen, zu denken, und dass sie eine Folge sind von Vorausgegangenem. Auch, dass er selbst daf\u00fcr verantwortlich ist, wie er damit umgeht, genauso bei mir. Und wie bei mir werden wieder Folgen daraus entstehen. Ich entschuldige damit in keiner Weise sein Tun und Lassen, ich habe es ja auch nicht beurteilen m\u00fcssen (Urteil &#8211; Schuld &#8211; Strafe) wenn ich mich beschr\u00e4nkte darauf, rein wahrnehmend, &#8220;erinnernd&#8221;, beschreibend aus mir und in mir zu bleiben. Die unmittelbaren Folgen werden ohne mein Zutun eintreten und Konsequenzen sein in einem Bereich, in dem Ursachen sich zu Wirkungen gestalten.<\/p>\n<p>Anstelle des Verurteilens des anderen kann ich mich bem\u00fchen, ihn zu verstehen und mit ihm umzugehen versuchen, oder, wenn dies zu schwierig ist f\u00fcr mich, ihm gegenw\u00e4rtig aus dem Weg zu gehen. Das kann existenziell sein, besonders bei Begegnungen mit narzisstisch Perversen, deren Unlauterkeit die Distanz \u00fcberlebenswichtig macht. Ob ich mich der Begegnung, mich \u201eerinnernd\u201c an mein Leben nach dem Tod, dannzumal werde entziehen k\u00f6nnen, muss hier offen bleiben. Wenn dort mein Handeln wirkt, dann wird es auch Wege geben, die mir den Umgang mit solchen Konsequenzen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Was ist &#8220;Aletheia&#8221; &#8211; im Sinne von: der geh\u00f6rt dazu, der handelt danach, jener oder jene nicht &#8211; dieses Urteil (und ich spreche nur von mir) steht mir nicht zu, denn wenn ich mich n\u00e4hern m\u00f6chte der sich an alles Erinnernden, dann hat alles seinen &#8220;Raum&#8221;, seine &#8220;Zeit&#8221; und ist ein Teil von mir selbst. Im Urteilen schaffe ich Grenzen: ich grenze ein und aus und hebe einen Teilaspekt des Ganzen hervor. Wenn ich aber das Ausgegrenzte ber\u00fccksichtige, mich an alles erinnernd, gelange ich zur Annahme, dass alles Folge ist von einstmals Entstandenem. Ich werde durch diese Einsicht angeleitet, auch dessen, was sich trotz meines Bem\u00fchens um eine Gesamtschau verbirgt, gerecht zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philosophische Betrachtung von Dr. Bj\u00f6rn Riggenbach Innerhalb von drei Jahren ist die Aletheia-Familie schnell gewachsen und gross geworden. Viele Menschen f\u00fchlen sich dazugeh\u00f6rig &#8211; und immer wieder taucht die Frage auf: Wer geh\u00f6rt dazu, wer nicht. Und: wer bestimmt das \u00fcberhaupt. Es ist niemand &#8211; in meinen Augen. Ich bin es nicht. 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