IN DER WAHRHEIT LEBEN – Ein Versuch mit vielen Versuchungen.

Corona-Krise und Erfahrungen mit dem Epidemien Gesetz
Simon Häusermann erläutert in der Präsentation persönliche Erkenntnisse und Zusammenhänge zur Corona-Krise, da er einen tiefen Einblick in die Materie beim BAG hatte, was den Sinn und Zweck des EpG betrifft. Es erstaunte ihn, wie während der gesamten Corona-Krise (und teilweise bis heute) gegen die gesetzlichen Bestimmungen und gegen die behördenverbindlichen Handlungsvorgaben verstossen wurde. Seine Präsentation stellt eine persönliche Synthese aus seiner rund 30-jährigen Beschäftigung mit verschiedenen Ansätzen aus Philosophie, Theologie und Tiefenpsychologie dar.

Václav Havel und die Funktion der Ideologie
Simon Häusermann griff die Geschichte des Prager Gemüsehändlers aus Václav Havels Werk “Versuch, in der Wahrheit zu leben” auf. Die von Havel beschriebene Funktion der Ideologie als systemkonformes “Alibi” war auch in der Corona-Zeit deutlich spürbar. Seine Erfahrungen mit den Gesundheitsbehörden und der Justiz führten ihn zum Fazit, dass die Gewaltenteilung faktisch aufgehoben war und alle staatlichen Ebenen konsequent dem offiziellen Narrativ folgten.

Systemkonforme Kommunikation im Modell nach Schulz von Thun
Anhand des Kommunikationsmodells nach Schulz von Thun analysierte Simon Häusermann die von Havels Gemüsehändler zum Ausdruck gebrachten Botschaften und Verhaltensweisen. Er zeigte auf, wie Botschaften auf unterschiedlichen Ebenen – insbesondere auf der Sach- und der Beziehungsebene – verortet werden können und wie Ideologien als „Schleier“ fungieren, hinter dem sich Menschen ihrer individuellen Verantwortung entziehen können.

Unsere vierfache Beziehung zur Realität
Der Referent zeigte anhand einer eigenen Darstellung auf, dass unser Verhältnis zur Wahrheit durch vier unterschiedliche Beziehungen zur Realität geprägt ist. Anhand der Corona-Zeit illustrierte er, wie unterschiedliche Realitätsfelder nebeneinander bestehen können, wobei kollektive Realitäten häufig als „alternativlos“ dargestellt werden. Bezugnehmend auf Václav Havel hob er hervor, wie eng Machtzentren mit der Deutungshoheit über Wahrheit verknüpft sein können.

Wahrheitsdämmerung und komplementäre “Feldtheorie der Wahrheit”
Als „Wahrheitsdämmerung“ bezeichnete Herr Häusermann die seit Anfang des 20. Jahrhunderts aufkommende Einsicht, dass die Wahrheit nicht dualistisch (entweder – oder), sondern komplementär (sowohl – als auch) zu interpretieren ist. In Anlehnung an Niels Bohrs Komplementaritätsprinzip stellte er eine von ihm entworfene “Feldtheorie der Wahrheit” vor. Dabei betonte er, dass die Wahrheitsregulation im Wesentlichen eine Eigenleistung des Einzelnen sei, und warnte vor Einseitigkeiten, die aus tendenziösen Wahrnehmungsmustern entstehen können.

Wissenschaftliche Definitionen von Wahrheit und Diskussionsbedarf
Es gibt verschiedene Definitionen von Wahrheit, je nach Hintergrund oder Blickwinkel. Oft wird Wahrheit als Konsens verstanden, den etwa 90 % der Wissenschaftler teilen. Es gibt historische Beispiele, in denen sich ein solcher wissenschaftlicher Konsens als fehlerhaft erwiesen hat. Eine wissenschaftliche Methodik zur Überprüfung von Hypothesen ist vorhanden und allgemein bekannt. Weiter gibt es den Kontrast zwischen relativer (wissenschaftlicher) und absoluter (subjektiver) Wahrheit. Das bedeutet, dass wissenschaftliche Methoden lediglich relative Wahrheiten generieren können, während subjektive Erfahrungen für die Betreffenden als absolute Wahrheiten gelten.
Verschiedene Wahrheitsbegriffe und die wissenschaftliche Methodik stehen im Raum und werden unterschiedlich angewendet, um zu fundierten Erkenntnissen zu gelangen. Die Bedeutung von Wahrheitspluralismus ist weiter zu verfolgen und es stellt sich die Frage, ob die Abwesenheit von Lüge ein zentrales Kriterium von Wahrheit sein kann.

Das Thema ist komplex und bedarf weitere Vertiefung zur Wahrheitsfindung und Diskussionen zur Klärung der Begriffe, der Wahrheit und der Wahrheitsfindung.

Präsentation Simon Häusermann hier herunterladen.

 

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