36 Tote soll es aufgrund der experimentellen Gabe von Medikamenten, die noch keine Zulassung hatten und ohne Einverständnis der Patienten gegeben worden, gegeben haben.
Roland Kuhn (* 4. März 1912 in Biel; † 10. Oktober 2005 in Scherzingen, reformiert, heimatberechtigt in Bern) war ein Schweizer Psychiater.
Kritik an Kuhns Arbeit kam erstmals 2012 auf durch einen Artikel im Tages-Anzeiger, welcher zu einer mehrjährigen Aufarbeit führte. Von 1946 bis in die achtziger Jahre führte Kuhn in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen an weit über 1600 Menschen klinische Tests durch. Diese erfolgten unter ethisch fragwürdigen und wissenschaftlich zweifelhaften Bedingungen; ausserdem fehlten die Einwilligungen der betroffenen Patienten. Dutzende von Substanzen, bspw. Antidepressiva, wurden unter seiner Leitung so getestet.
Seinen ersten medizinischen Versuch hat Roland Kuhn gemäss Beobachter an seiner eigenen Mutter vorgenommen. Sie habe an einer Struma, einer vergrösserten Schilddrüse, gelitten. Ohne ihr Wissen habe Kuhn jodhaltige Meeresalgen in den Tee gemischt, woraufhin die Struma verschwunden sei. «Ich liess sie im Glauben, der Homöopath habe sie geheilt», schrieb er laut dem Beobachter später.
Um die Geschichte der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen aufzuarbeiten, bewilligte der Kanton Thurgau Ende 2013 160’000 Franken.
Die Patientenrechte waren damals prekär. Die Regelungen für Medikamentenstudien wurden 1964 festgelegt, jedoch hat Kuhn noch viele Jahre danach “sehr frei” gearbeitet,
was die Aufarbeitung notwendig macht.